Tibet

über LOSAR: Das Tibetische Neujahrsfest in Rewalsar/Himachal Pradesh (Nordindien)   hier

Der Dalai Lama im Februar 1980 bei seiner Rede anlässlich es tibetischen Neujahrsfestes  im Hof der Nyingmapa Gompa, Rewalsar/Himachal Pradesh (Nordindien) :

"Vom Augenblick seiner Geburt an sucht jedes menschliche Wesen Glück und versucht, 

das Leid zu vermeiden. Darin sind wir alle gleich." 

S.H. der Dalai Lama

.....      Losar   .....  

hier Bericht und viele Bilder

 Das Tibetische Neujahrsfest in Rewalsar/Himachal Pradesh (Nordindien) Copyright 2004 © Gabriele Engel

Ankunft

 In vielen scharfen Kurven steigt die schmale Straße stetig bergan, die Berghänge rechts und links der Straße sind mit Reisterrassen kultiviert. Unser Ziel ist Rewalsar im Kulu-Tal des Mandi Distrikts von Himachal Pradesh am Fuße des Himalaya, ca. 500 km von Delhi entfernt. Der kleine Ort, abseits des Trans-Himalaya-Highways gelegen, der von der nicht weit entfernten Stadt Manali aus in 2 Tagen über den Rohtang La (3980 m, La=tibet. Paß; Rohtang=tibet. bedeutet etwa „Haufen toter Körper“ wegen der dort gefürchteten Wetterumschläge) durch die Regionen Lahaul und Spiti nach Leh in Ladakh führt.

Wir erreichen Rewalsar, das von Bergen umgeben an einem kleinen See liegt, am späten Nachmittag eines kühlen Januartages. Die Temperatur fällt nach Sonnenuntergang auf knapp über Null Grad. Eine Handvoll Häuser säumen den unbefestigten Fußweg um den See. Hier leben einige tibetische und indische Familien. Der Weg führt vorbei an hinduistischen Tempeln und Sikh-Schreinen. An einem Ende des See liegen sich zwei buddhistische Gompas (tibet.=Klöster) der Gelugpa (=Tugendhaften, Gelbmützen-Orden), begründet durch „Tsongkhapa“ („der große Reformator“, 1357-1419 n.Chr.; hielt Buddhas Lehre schriftlich fest; seit dem 17. Jh. die dominierende religiöse Richtung in Tibet) und Nyingmapa (alte Schule des tibetischen Buddhismus, geht zurück auf „Guru Rimpoche“, 8.-9. Jh.) gegenüber. Ein 3. Kloster wird von Mönchen aus Bhutan bewohnt. Rewalsar ist den Hindus, Sikhs und Buddhisten als Wallfahrtsort heilig. Jede Glaubensgemeinschaft hat ihren eigenen hl. Tempel. Von hier aus soll der Überlieferung zufolge der große indische Tantrismus-Lehrer und Gelehrte „Padmasambhava“ nach Tibet gewandert sein. Die Tibeter nennen ihn „Guru Rimpoche“ („kostbarer Lehrer/Meister“). Unter „Padmasambhava’s“ Einfluß hat sich der Mahayana Buddhismus über ganz Tibet verbreitet. Im See schwimmen mehrere Inseln aus Reedgras, die Tibeter glauben, daß der Geist Padmasambhavas in ihnen lebt.

 Eine große freie Fläche am unbewohnten Ende des Sees lädt zum Campen ein. Unser VW-Bus ist das einzige Fahrzeug, wir sind allein. Im Laufe der nächsten Tage bildet sich im Morgengrauen neben dem Wagen eine stetig wachsende Schlange von Tibetern, die geduldig warten, bis wir aufgestanden sind. Darunter einige Mönche und Nonnen, die in Höhlen der umliegenden Berge im Zölibat leben. Es hat sich „herumgesprochen“, dass Europäer mit medizinischen Kenntnissen Medizin „verschenken“. Der indische Arzt im Nachbarsort genießt nicht ihr Vertrauen, da er zu viele „paisa“ (ind. Kleingeld) nimmt. Wir können bei infizierten Wunden, Augen-, Magen- und Darmerkrankungen helfen. Die vielen Hilfesuchenden mit rheumatischen Erkrankungen und Tuberkulose, durch Mangelernährung, Feuchtigkeit und Kälte in den Höhlen noch verschlimmert, müssen wir leider wieder fortschicken. Drei Wochen lang sind wir die einzigen Fremden im Ort. Auf Einladung der Äbte der Gompas nehmen wir gemeinsam Tee ein, verbringen interessante Stunden mit den hochgebildeten Rimpoches, und können eine alte Leitz Kamera reparieren. Bei einer solchen Gelegenheit erfahren wir, dass ein besonderes Ereignis ansteht. „Losar“ fällt dieses Jahr im Februar auf den Tag der bevorstehenden Sonnenfinsternis. S.H. der Dalai Lama wird aus Anlaß des besonderen Tages zum Fest erwartet

Im Laufe der nächsten Woche treffen immer mehr Pilger aus Nordindien, Tibet und Ladakh ein. Die Luft schwirrt von Geräuschen und trägt unbekannte Gerüche heran. Um unseren Wagen entsteht mit unglaublicher Geschwindigkeit eine Zeltstadt aus alten Armee- und Stoffzelten, abenteuerlichen Jurten und Yakzelten. Wenige Tage nach Ankunft der ersten Pilger werden wir im Morgengrauen durch Klappern geweckt. Einige Pilger umrunden den See im Stile des „chaktsal“ (tib.=Fußfall). Dem Ritual entsprechend legen sie die Hände in der Grußart „namaste“ zusammen, berühren Stirn, Hals und Herzgegend, fallen auf die Knie und werfen sich dann mit ausgestreckten Armen der Länge nach in den Staub. Manche haben ihre Hände durch hölzerne Brettchen geschützt, die den klappernden Ton erzeugen. Das Ritual des Sich-Niederwerfens ist für den Tibeter eine besonders starke Ausdrucksform der Andacht. Wir schließen uns der täglichen 7fachen „Kora“ (tib.=Rundgang) um den See im Uhrzeigersinn an. Buddhisten umwandern den See im Uhrzeigersinn, die Anhänger der alten Bön Religion entgegen dem Uhrzeigersinn. Einige Pilger umwandern zu mehreren untergehakt fröhlich lachend den See; andere gehen völlig selbstversunken, Mantras murmelnd ihrer Wege. Innerhalb einer Woche ist der Ort von vielleicht 200 Einwohnern auf  5 000 Menschen oder mehr angewachsen. Fliegende Händler sind eingetroffen und bieten ihre Waren am Weg um den See feil. Die Tempel beherbergen Würdenträger, die von nah und fern angereist sind. Man sagt uns, es könne nicht mehr lange dauern, bis S.H. der 14. Dalai Lama eintreffen werde, um die Feierlichkeiten zu eröffnen. 

Die Geschichte des Losar-Festes (nach Ehrwürden Salden, Kloster Namgyal, Dharamsala)

 Das Losarfest geht auf die prä-buddhistische Periode zurück. In dieser Zeit wurde in Tibet die alte schamanistische Bön-Religion praktiziert. Jeden Winter feierten die Tibeter ein spirituelles Fest, sie brachten ihren Göttern Räuchergaben dar, um sie gnädig zu stimmen. Der traditionelle tibetische Kalender kennt 12 Mondmonate und das Losar-Fest beginnt am 1. Tag des 1. Mondmonats (meistens im Februar, so z.B. am 21.02.2004 und 09.02.2005). 

In den buddhistischen Klöstern beginnen die Feierlichkeiten bereits am 29. Tag des 12. Monats, dem Vorabend des tibetischen Neujahrsabends. Aus Anlaß dieses besonderen Tages feierten und feiern die Klöster eine „Puja“ – ein spezielles Ritual – zu Ehren der Schutz-Gottheiten. Für die „Puja“ wird „Guthuk“ zubereitet, ein Nudelgericht aus 9 verschiedenen Zutaten wie getrocknetem Käse und verschiedenen Getreiden. Es gibt außerdem kleine Teigbällchen, in denen Chilischoten, Salz, Wolle, Reis oder kleinen Kohlestückchen versteckt sind. Diese sollen etwas über den Charakter des Empfängers aussagen. Die Chilischote im Teigbällchen bedeutet, dass der Empfänger „zu viel redet“. Weißer Inhalt wie Salz, Wolle oder Reis sind das Zeichen eines guten Menschen. Kohlestückchen signalisieren ein „schwarzes Herz“.

 Der letzte Tag des Jahres wird zur Reinigung und Vorbereitung auf das Neue Jahr genutzt. In den Klöstern werden die kostbarsten, schönsten Dekorationen aufgehängt. Die Mönche holen die kostbaren alten Gewänder und Masken für die rituellen Tänze aus ihren Schreinen. Kunstvoll gefertigte Opfergaben werden an diesem „Lama Losar“ genannten Tag dargebracht. 

Im „Namgyal Monastery“, dem Privatkloster S.H. dem 14. Dalai Lama, neben seiner Residenz in Dharamsala gelegen, bringen die Mönche im frühen Morgengrauen dieses Tages auf dem Dach des Haupttempels (in Tibet war das der Potala) der obersten Hierarchie der Dharma Schutzgottheiten, der Göttin Palden Lhamo, den Opferkuchen „Tsetor“ dar. Angeführt von S.H. dem Dalai Lama, schließen sich die Äbte der drei großen Klöster sowie Lamas (ranghohe Priester), wiedergeborene Mönche, Regierungsbeamte und Würdenträger dieser Zeremonie an und verrichten gemeinsame Gebete. Die Mönche rezitieren die Anrufung der Gottheit Palden Lhamo. Nach der Zeremonie begibt sich die Gesellschaft in die Versammlungshalle des Namgyal Klosters zur formellen Begrüßung. Sobald auf den Kissen Platz genommen wurde, wird der traditionelle Gruß „Tashi Delek“ entboten.

 Dann überreichen die Abgesandten der drei großen Klöster und der beiden Tantrismus-Colleges Seiner Heiligkeit feierlich „Tse-ril“, geweihte Kügelchen aus geröstetem Gerstenteig, die Glück für das nächste Jahr und ein langes Leben verheißen sollen. Anschließend wird ein „Good wish Tanz“ vorgeführt. Zwei ranghöhere Mönche führen eine Debatte über die buddhistische Philosophie, die sie mit einem speziell für diese Gelegenheit komponierten Rezitativ beenden, das sich mit dem gesamten Spektrum der buddhistischen Lehre befasst. Seine Heiligkeit und die Bewahrer der Doktrin werden gebeten, lange Zeit in „Samsara“, der Gemeinschaft der Reinkarnationen, zu verbleiben, um ihnen durch ihre erleuchteten Tätigkeiten zu dienen. Der offizielle Teil schließt mit einer zeremoniellen Verabschiedung Seiner Heiligkeit, der sich im Anschluß daran in seinen Palast zurückzieht.

 Der 2. Tag des Losar wird „King’s Losar“ („Gyal-po lo-sar“) genannt, da er einem Zusammentreffen weltlicher Würdenträger im Kloster vorbehalten ist. S.H. der Dalai Lama und seine Regierungsbeamten tauschen Grußbotschaften mit religiösen und weltlichen Würdenträgern aus China, Indien, Bhutan, Nepal, der Mongolei sowie anderen Ländern aus. 

Ab dem 3. Tag beginnt das Fest für das Volk und die Mönche. Vor dem Einmarsch der Chinesen in Tibet wurde „Losar“ 15 Tage oder länger gefeiert. Im Exil in Indien wird „Losar“ 3 Tage lang gefeiert und in der buddhischen Gemeinschaft in USA sogar nur einen Tag.

Eintreffen der Würdenträger

 Der Fußpfad um den See ist schwarz von Menschen, der Ort platzt aus allen Nähten. Im Zeltlager existieren keinerlei sanitäre Einrichtungen. Alle Pilger erleichtern sich außerhalb des Lagers am Fuße der Berge. Wir graben zusammen mit einigen Pilgern Löcher, um Latrinen einzurichten, da mittlerweile eine Gefahr für die Gesundheit besteht. Alles spielt sich vor den Zelten ab. „Tsampa“ (Gerste) wird über offenem Feuer in großen Pfannen geröstet, auf Steinen zu Mehl gemahlen, mit ranziger Butter vermischt, zu Kugeln gerollt und gegessen. Dazu gibt es ranzigen Buttertee, eine Delikatesse, die nicht jeder schätzt.

 Ein buntes Menschengemisch von Tibetern aus den unterschiedlichen Himalaya-Regionen mit außergewöhnlichen Physiognomien, in verschlissene „chuba“ gehüllt (einem langärmeligen Schaffellumhang, der mit einem Gurt um die Taille gehalten wird und machmal nur über einer Schulter getragen wird), neben schönen Ladakhi-Frauen im traditionellen Festkleid mit ihrem Schmuck auf dem Kopf. Dieser Schmuck repräsentiert ihre Mitgift und persönlichen Reichtum. Korallen (wegen der Entfernung zum Meer besonders geschätzt), Bernstein, Türkise und kunstvoll geschmiedete Silberornamente sind auf eine Kopfbekleidung aufgenäht, die teilweise bis auf den Rücken hinunterhängt. Ohrringe, von Männern und Frauen getragen, werden häufig mit einem Stück gedrehter Kordel befestigt. Die Haartracht der Frauen aus den Provinzen Amdo oder Qinghai in Osttibet besteht aus 108 Zöpfchen. Männer aus der Khampa-Region Tibets flechten rote oder schwarze Quasten in ihre Zöpfe, die sie dann um den Kopf wickeln. Viele tragen Fellhüte oder Mützen. Viele Pilger tragen ein „gau“ (Amulett) mit dem Bild des Dalai Lama. An der Armlänge der „Chuba“ lässt sich die Herkunft des Pilgers erraten, so haben osttibetische „Chubas“ superlange Ärmel, die um die Hüfte gewickelt werden. Eine Innentasche dient zur Aufbewahrung von Geldgürtel, Talisman, Wegzehrung usw. Die traditionelle Kleidung der Frauen besteht aus einem langen wollenen Kleid, über das eine große bunt gestreifte Schürze getragen wird. Die tibetischen Stiefel sind aus Lederstreifen, teils mit Jute gefertigt und haben eine hochgedrehte Spitze.

 Die Ankunft der Würdenträger im Gelugpa-Kloster hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Vom Camp zur Gompa ist wegen der dichten Menschenmenge kaum durchzukommen. Meinen Platz auf dem Dach des Butterlämpchen-Gebäudes im Innenhof des Klosters erkämpfe ich mir, indem ich über die Köpfe und Schultern der unübersehbaren Schar von Mönchen und Pilgern mit deren Hilfe klettere. Soweit ich sehen kann, bin ich die einzige westliche Pilgerin. Alle sitzen dichtgedrängt im Schneidersitz auf dem Innenhof und sind voller fröhlicher Vorfreude. Pilgerinnen mit Säuglingen neben Mönchen, es wird viel gelacht. Neben mir auf dem Dach hockt ein Mann mit einem „gau“, das den jungen Dalai Lama zeigt. Im Baum neben dem Butterlämpchen-Gebäude „hängen“ zwei tibetische Jungen. 

Am Kopfende des Innenhofes ist eine verandaartige Erhöhung, die als Podium für den Altar dient. Darauf verschiedene rituelle Gegenstände Seiner Heiligkeit: Dorje (Donnerkeil) als Griff von drilbu (Glocke), einige Behältnisse mit Deckeln aus purem Gold, ein Schädelkelchgefäß, ein Strauß mit hohen Pfauenfedern in einem mit Brokatfalten und weißem Tuch verzierten Gefäß, sowie ein schmales längliches Buch mit Holzdeckeln. 

Mehrere Sikh-Beamte in Khaki-Uniform mit Turban und Krummsäbel erscheinen und postieren sich rechts und links des Altars, dann folgen einige Hindu-Würdenträger in traditionellen Beinkleidern mit langem Sakko. Die Sikh-Beamten signalisieren uns, vom Dach des Butterlämpchen-Gebäudes herunterzusteigen. Wir ignorieren sie und schauen in eine andere Richtung. Endlich erscheint S.H. der 14. Dalai Lama mit mehreren Tibetern und Europäern im Gefolge. Ein Raunen geht durch den Hof, als Seine Heiligkeit im Schneidersitz Platz auf einem Kissen hinter dem Altar nimmt. In Tibet ist es undenkbar, dass ein Mensch den Gottkönig um Haupteslänge überragt, hier scheint es jedoch keine Rolle zu spielen. Niemand nimmt Anstoß daran, dass wir auf dem Dach des Butterlämpchen-Gebäudes sitzen.

 Die Predigt

 S.H. der Dalai Lama begrüßt und segnet die Versammlung aus Äbten, Lamas, Mönchen und weltlichen Pilgern, die sich bei seinem Erscheinen alle erhoben haben. Er schaut auch kurz lächelnd zu uns hinauf. Dann beginnt er seine Predigt unter Zuhilfenahme des querformatigen schmalen lose-Blatt-Buches, dass vor ihm auf dem Altar liegt. Mit beiden Händen dreht er jeweils ein gelesenes Blatt von sich weg um, rezitiert von der Rückseite und legt das Blatt hinter das Buch. Der Wind macht ihm mehrfach einen Strich durch die Rechnung. Einzelne Blätter fliegen hoch, daraufhin lacht er sehr herzlich und schlägt sich mehrmals mit einer Hand auf den Oberschenkel. Seine Predigt dauert knapp 4 Stunden. Die große Menschenmenge hört ihm gebannt und andächtig zu. Viele haben in der Zwischenzeit wegen der intensiven mittäglichen Sonneneinstrahlung ein großes mitgebrachtes Umhangtuch mehrfach gefaltet und in der Art eines Turbans auf den Kopf gelegt. Mütter stillen während der Predigt ihre Säuglinge; einige kommen hinzu, andere klettern hinaus, niemand fühlt sich davon gestört. Das Leben geht auch während der Predigt ihres inbrünstig verehrten Gottkönigs weiter. Seine Heiligkeit hebt immer wieder den Kopf und spricht die anwesenden Pilger direkt an. Häufig lacht er herzlich, er scheint eine Anekdote in seine Predigt einzufügen, sofort reagiert die Gemeinde und Gelächter brandet auf im Innenhof.

 Diesen außergewöhnlichen Menschen und Gottkönig umgibt eine faszinierende Aura. Niemand kann sich seinem Charisma entziehen. Obwohl ich kein Wort seiner auf Tibetisch gehaltenen Predigt verstehen kann, spüre ich die Einzigartigkeit des Augenblicks, verstehe seine Botschaft, die auch an mich gerichtet ist. Die Zeit scheint still zu stehen. Wir fühlen eine Verbundenheit wie verschieden wir auch sind, spüren das Außergewöhnliche dieser Erfahrung, die uns in eine andere Dimension zu tragen scheint. Alle Anwesenden sind vereint im „Knoten der Unendlichkeit“, sind Bestandteil des „Wheel of Life“. Uns umgibt ein starkes Kraftfeld.

 Nach der Predigt defilieren ausgewählte Pilger an seinem Altar vorbei. Seine Heiligkeit hat ein Wort für jeden, manchen schüttelt er die Hand in westlicher Art. Dann zieht er sich, eskortiert von den Sikh-Beamten, den Hindu- und tibetischen Würdenträgern, und den Europäern, zurück. 

„Cham“ oder „Black-Hat-Dance“

 Die Pilger müssen den Hof freimachen und sich einen anderen Platz suchen, denn die traditionellen religiösen Tänze der Mönche beginnen. Es erscheint ein ganzer Pantheon von in bunte kostbare Brokatgewänder und riesige Holzmasken gekleideten Figuren, die einzeln oder in Gruppen rituelle Tänze aufführen, oder längere Zeit wenige, ganz bestimmte Schritte darbieten. Einige dieser Gottheiten sehen furchterregend aus, andere dagegen sorgen für Heiterkeit. Die Tanzdarbietungen reichen bis in den späten Nachmittag. Die letzten Pilger verlassen den Innenhof des Klosters. Auch wir steigen völlig durchgefroren vom Dach des Butterlämpchen-Gebäudes hinab, in dessen Innerem Tausende von Butterlämpchen in Metallgefäßen wie ewige Lichter brennen...

 Vor dem Ort findet auf der Straße ein „Cham“-Tanz statt. Ein unmaskierter Mönch, gekleidet in schwere dunkle Brokatgewänder mit einem riesigen schwarzen Lackhut mit übergroßer Krempe auf dem Kopf, tanzt feierlich einen rituellen Tanz. Dabei dreht er sich schnell und immer schneller. Um ihn herum drehen sich Mönche in den Masken der Schutzgeister. „Cham“ oder „Black Hat Dance“ („Schwarze Hut Tanz“) stammt aus der vor-buddhistischen Bön-Periode und versinnbildlicht die Austreibung der bösen Geister. Mönche mit überlangen Trompeten, Trommeln und Zimbeln begleiten mit monotonen, scheinbar dissonanten Tonfolgen, die einen unheimlichen Klang erzeugen, die Aufführung des Dramas. Ein riesiger Scheiterhaufen wird entzündet. Eine aus Stroh gefertigte mannshohe menschliche Figur wird schnell ein Opfer der Flammen und soll den Sieg über das Böse darstellen. 

Der Beginn eines neuen tibetischen Jahres wurde feierlich begangen.


 

Acht Glückssymbole      
Jedes dieser Symbole hat eine eigene Bedeutung, die Sie nachstehend vom Schirm 
oben in der Mitte ausgehend und im Uhrzeigersinn fortlaufend erläutert finden: 
Der Sonnenschirm dient dem Schutz gegen alles Böse und ist ein Zeichen hoher Würde.
Das Rad des Gesetzes mit den acht Speichen verkörpert den achtfachen Weg zur Erleuchtung. 
Die Standarte stellt den Sieg der Lehre Buddhas dar. 
Die goldenen Fische verkünden die Befreiung von Leid.      
Die Vase enthält das Wasser der Unsterblichkeit und steht für spirituellen Reichtum. 
Der vollkommene Lotos entspricht der Reinheit. 
Das Muschelhorn sorgt für die Abwesenheit alles Bösen. 
Der endlose Knoten steht für die unendliche Liebe und ein langes Leben