Naturheilkundliche Therapien in der Tiermedizin

Das Verdauungssystem des Hundes - Magen-Darm-Erkrankungen

Erkrankungen des Verdauungssystems kommen beim Hund recht häufig vor. Der Verdauungstrakt beginnt am Maul mit den Lippen und endet am Enddarm mit dem Anus. Zwischen diesen beiden Ein- bzw. Ausgangspforten liegen: das Maul mit Zähnen, Zunge und Speicheldrüsen, Rachen und Speiseröhre; Magen, Dünn-, Dick- und Enddarm, Anus; die Leber, Bauchspeicheldrüse und das Bauchfell. Fast jede Erkrankung eines Einzelorgans innerhalb des Systems hat Einfluss auf den gesamten Verdauungsapparat und umgekehrt. Nachfolgend einige Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (MDT), die naturheilkundlich gut behandelt werden können. Bei schweren Erkrankungen ist unbedingt ein Tierarzt/Tierheilpraktiker zu konsultieren. 

I.          Grundsätzliches

II.            Erkrankungen des Magens:

  1. akute Gastritis (Magenschleimhautentzündung)  

  2. chronische Gastritis (ABC-Klassifikation)  chronisch-atrophisch - bakteriell (Helicobacter spp.) - chronisch-toxisch  

  3. Fremdkörper im Magen: spitze Gegenstände · Steine und Bälle etc. · Taschentücher + Plastiktüten   
  4. Verschlucken chemischer Mittel: · Säuren und Laugen etc. · Schaumbildner wie Spül- und Haarwaschmittel etc.

III.         Erkrankungen von Dünndarm, Dickdarm und Enddarm

  1. Entzündung des Dünn- und Dickdarms (Enterokolitis) · akut · chronisch
  2. Seuchenhafter Brechdurchfall
  3. Durchfall und Verstopfung

IV.            Allgemeine Dosierungsangaben Homöopathie

I.          Grundsätzliches

Sobald ernste Magen-Darm-Probleme auftreten, ist es sinnvoll, den Darm völlig zu entleeren, um einer weiteren Schleimhautreizung vorzubeugen. Der Hund muss 24 Std. fasten, erhält jedoch mehr Flüssigkeit (u.U. mit der Spritze). Anschließend wird der Darm langsam wieder an den Normalzustand angeglichen, indem drei Tage lang etwa alle 4 Std. kleine Mengen einer leichten, hochverdaulichen und ballaststoffarmen Diät aus gekochtem Fisch oder Huhn, gekochtem weißem Reis, Hüttenkäse oder gekochten Eiern gefüttert werden.

 

II.               Erkrankungen des Magens:

akute Gastritis (Magenschleimhautentzündung)

Ursachen: Alle möglichen Reizfaktoren wie zuviel, zu kaltes, zu heißes, verdorbenes oder unverdaubares Futter
 während oder als Folge einer Infektionskrankheit (z.B. Parvovirose, Leptospirose)
 Parasiten, Fremdkörper im Magen.
 Verschlucken chemischer Mittel
Symptome:

Leichte Gastritis

Erbrechen von Magensaft, Schleim oder unverdautem Futter. Wiederholt sich dies nicht zu oft, der Hund ist in relativ stabilem Zustand, und es liegt kein zu großer Flüssigkeitsverlust vor: 24 Std. fasten lassen, Flüssigkeitszufuhr sicherstellen, anschließend die vorgenannte Diät füttern.  

Schwere Gastritis:

der Hund muß sich laufend übergeben, ist durstig, reagiert empfindlich auf Druck/ Berührung im Bauchbereich und wirkt stark apathisch: Fieber messen, um eine Infektionskrankheit auszuschließen. Bei andauerndem Erbrechen und Durchfall besteht Gefahr der Dehydratation (Austrocknung ). Kann der Hund keinerlei Flüssigkeit bei sich behalten, muß umgehend der Tierarzt eine Infusion zur Stabilisierung des Flüssigkeitshaushalts anlegen, und um einer Nierenschädigung vorzubeugen. Dies gilt insbesondere für Junghunde, Welpen und kleinere Rassen.

Therapie Homöopathie:   (außer bei Verdacht auf Infektionskrankheiten: Tierarzt)  

Ipecacuanha C30 (Brechwurzel)

Hauptsymptom: dauernde Übelkeit und Erbrechen von Futter, Galle, Blut und Schleim mit Kollapsneigung nach unverdaulicher Nahrung. Reizbar. Wenig Durst. Zunge ist gewöhnlich sauber, viel Speichel. Gelegentliches Absetzen von schleimigem, blutdurchsetzem Durchfall. Schweres Atmen. Hauptwirkung auf Äste des N. vagus (Parasympathikus/vegetatives Nervensystem) in Brust und Magen.  

Phosphorus C30 (gelber Phosphor)

Viel Durst, maulvolles Erbrechen des Gefressenen. Hund erbricht aber erst, wenn sich Wasser oder Futter im Magen erwärmt haben. Kleine Entzündungen und/oder Blutungen am Zahnfleisch sichtbar. Trockene glatte, rote oder weiße Zunge, nicht dick belegt. Lehmfarbene sehr übelriechende Stühle und Blähungen.  

Mercurius corrosivus C30 (Quecksilbersublimat)

Unaufhörliches Erbrechen von Schaum vermischt mit grüner Galle, eventuell Blutspritzer. Begleitend grünlicher, blutiger, schleimiger Durchfall. Übelriechender Mundgeruch mit fauligem Aufstoßen und starker Speichelbildung.  

Antimonium tartaricum C30 (Brechweinstein)

Belegte Zunge mit rotem Rand. Schluckschwierigkeiten/Übelkeit/Würgen/Erbrechen in jeder Position (außer Liegen auf rechter Seite). Kollern im Gedärm vor dem Kotabsetzen. Wässriger mit Schleim vermischter Kot wird nach starkem Pressen abgesetzt.  

Antimonium crudum C30 (Schwefel-Spießglanz)

Gemütssymptome wie exzessive Reizbarkeit und Unruhe zusammen mit einer dickbelegten weißen Zunge. Appetitverlust. Übelkeit und Erbrechen nach Brot, süßen Sachen, kaltem Baden, Überhitzung oder zu heißem Wetter.  

Arsenicum album D6 (weißes Arsenik)

Rastlosigkeit mit nächtlicher Verschlimmerung, besonders gegen Mitternacht. Große Erschöpfung. Der Hund ist rastlos und rennt ängstlich hin und her. Trockenes Maul, rote Zunge. Großer Durst auf kleine Mengen Wasser. Erbrechen nach der kleinsten Menge Futter oder Wasser. Blutspuren im Erbrochenen. Dunkler, fast schwarzer, wässriger, blutiger und aasig stinkender Durchfall. Eiskalter Körper.  

Nux vomica D6 (Brechnuß, Krähenaugen)

Verdauungsstörungen jeglicher Art. Das Mittel nach ungeeigneter Kost (zu viel/zu fett). 1-2 Std. nach dem Fressen stark aufgetriebener Bauch. Viel Aufstoßen, Sodbrennen, Aufsteigen von Magenflüssigkeit, kann aber nicht erbrechen. Hund fühlt sich heiß an, fröstelt aber bei der geringsten Bewegung. Leitsymptom: Verstopfung. Häufiger erfolgloser Stuhldrang wird gebessert durch Stuhlgang. Abgesetzter Stuhl meist hart. Fehlender Stuhldrang ist Kontraindikation! Mittel am besten abends verabreichen.  

Petroleum D6 (Steinöl/Bergöl)

Erbrochenes riecht säuerlich, viel Wasseransammlung im Maul. Durchfall nur tagsüber, wäßrige Konsistenz. Hunger unmittelbar nach Stuhlgang. Magenschmerzen werden gebessert durch Fressen.  

Iris versicolor C30 (Buntfarbige Schwertlilie USA/Kanada)

Hund erbricht neben Mageninhalt auch Galle, es kommt zu Durchfall mit Koliken. Der Leberbereich ist sehr empfindlich. Geeignetes Mittel bei Erkrankungen des MDT aufgrund Funktionsstörungen von Leber und Bauchspeicheldrüse.  

Bryonia (Zaunrübe)

Schleimhäute von Maul/Zunge/Hals sehr trocken mit starkem Durst. Zunge gelblich bis dunkelbraun, bei Verdauungsstörungen weißlich belegt. Bewegung verschlimmert, braucht absolute Ruhe. Liegen bessert, besonders auf der schmerzhaften Seite.  

 

Weitere naturheilkundliche Maßnahmen:  Mikrobiologische Therapie  

a. Luvos Heilerde Ultra: 1/2-1 TL über das Futter streuen oder ins Trinkwasser geben, 1-3 x täglich bei Bedarf. Bindet überschüssige Magen-/Gallensäuren und Giftstoffe. Durch das ausgezeichnete Bindevermögen zur allgemeinen Darmsanierung geeignet. Die basischen Inhaltsstoffe wirken einer Übersäuerung entgegen.  

b. Diätetikum Microflorana-F, BDS GmbH, Gewerbestr. 4, 86946 Pflugdorf. Enthält verschiedene Pflanzenextrakte sowie darmresistente, apathogene Lactobacillen Acidophilus/Helveticus und Bifidobacterien zur: "...Wiederherstellung der biologisch unausgewogenen Darmkeimbesiedlung und physiologischen Harmonisierung des Darmstoffwechsels und der Immunmodulation." Täglich 1 ml mit der Pipette

c. Symbioflor 2, Symbio-Pharm: Regulierung der körpereigenen Abwehrkräfte bei gastrointestinalen Störungen. Bei Nebenwirkungen wie Blähungen oder Anazidität sofort absetzen. 1x täglich 5-10 Tropfen in etwas Wasser aufgelöst zu einer Mahlzeit (mittags)  
d. Lubig's Lactozymat, Bonn: zur Behandlung von Eisenmangelzuständen. Vorbeugung von Calcium- und Magnesiummangel, Zustand während der Rekonvaleszenz: täglich 1 TL-2 EL je nach Größe des Tieres.  
Phytotherapeutische Therapie: Pflanzentees mit entzündungshemmenden Eigenschaften von Kamille und Schafgarbe sind zur Behandlung der akuten und chronischen Gastritis hervorragend geeignet. Eine Rollkur mit Kamillentee beruhigt die Schleimhäute.  
Melisse ist bei Erkrankungen mit nervösen oder streßbedingten Ursachen durch ihre krampflösenden und beruhigenden Eigenschaften hilfreich.  
Leinsamen einige Stunden mit kaltem Wasser ansetzen, durchsieben und löffelchenweise oder mit Pipette verabreichen. Die im Absud enthaltenen Schleimstoffe des Leinsamens legen sich wie eine Schutzschicht über die erkrankte Schleimhaut
Zur besseren Durchblutung der Magenschleimhaut empfehlen sich Enzian, Wermut oder Tausendgüldenkraut. Ihre Bitterstoffe regen die Magensaftsekretion an und führen zu einer besseren Durchblutung des Gewebes. Bitterstoffhaltige Pflanzen sind zur Behandlung der chronischen Gastritis besonders empfehlenswert, da sie eine Tonisierung (Kräftigung) des Verdauungstraktes bewirken.  

II.2.          Chronische Gastritis  

Die chronische Gastritis verläuft schleichend mit weniger dramatischen Symptomen. Ab und zu kommt es zum Erbrechen von meist unverdauter Nahrung oder Schleim, häufig in den frühen Morgenstunden. Der Hund leidet unter wechselndem Appetit oder Appetitlosigkeit. Das Tier verliert an Gewicht und sein Fell wird glanzlos.  
ABC Klassifikation  
A            chronisch-atrophische Gastritis: Magendrüsenschwund nach langer Infektion  
B            bakterielle Infektion, häufigster Keim ist ein spiralförmiges Bakterium der Gattung Helicobacter spp. (Helicobacter pylori beim Menschen und in wenigen Fällen bei Katzen). 1892 wurden in Magenpräparaten von Hunden/Katzen spiralförmige Bakterien nachgewiesen. Das Bakterium besitzt eine hochaktive Urease, die wichtig für sein Leben ist, daher läßt sich der Erreger mittels Urea-Atemtest nachweisen. Bei Tieren können der Urea-Atemtest oder Bluttests/Serologie zur Diagnose herangezogen werden. In der Humanmedizin ist die antibiotische Tripeltherapie (7-14 Tage) Standard..  
C            chronisch-toxische Gastritis durch zurückschwappenden Gallensaft (Gallereflux)  

Die chronische Gastritis gehört in die Hand des Tierarztes, um eine eventuell notwendige Antibiotika-therapie einzuleiten. Es wird ein Blutbild angefertigt, um u. a. das Risiko einer Anämie auszuschließen. Die Nierenfunktion sollte überprüft werden, da die Erkrankung häufig mit einem chronischen Nierenleiden einhergeht. Begleitend kann eine naturheilkundliche Behandlung durchgeführt werden:  

Homöopathie  

Phosphorus C30  oder Q-Potenzen (wie vor) Mittel der 1.Wahl bei Verschlechterung nach dem Fressen + Blutspuren im Erbrochenen.  

Arsenicum album C30 oder Q-Potenzen (wie vor) Kann das Risiko einer Anämie verringern, bringt wieder Glanz ins Fell.  

Mikrobiologische Therapie
a.       Luvos Heilerde Ultra (wie vor) oder  
b.       Bismutal** über das Fressen streuen, schützt die Magen-Darmschleimhaut. Enthält Medizinallehm, Mehl vom Johannisbrot und Wismutsalze (speziell Helicobacter spp)  
c.       Diätetikum Microflorana-F (wie vor)  
Naturheilkundliche Therapie der Helicobacter Infektion:  
Kolloid G, Meckel-Spenglersan, Kombinationstherapie:  
1.       Anwendung äußerlich: 3 x tgl. 3-5 Tropfen mit dem Daumenballen in die zarte Bauchhaut kreisend einreiben  
2.       Anwendung innerlich: 1 Woche lang 3 x tgl. 3 Tropfen in Wasser (Pipette), vor den Mahlzeiten einnehmen. Danach bei guter Verträglichkeit auf 3 x 5 Tropfen steigern. Therapie bis zu 2 Monaten fortführen. Erneut Helicobacter-Test durchführen lassen.  
Ausleitung: Derivatio H, Pflüger. 3 Monate einnehmen: 2 Wochen 3 x 1 Tablette, danach 2 Wochen 2 x 1 und die restliche Zeit 1 x 1 Tablette.  
Ernährung umstellen: Auf basische Kost umstellen, mehr Gemüse, Obst etc. dem Futter zufügen.
II.3.         Fremdkörper im Magen Die Diagnose Darmblockade durch Verschlucken von Fremdkörpern erfordert meist einen operativen Eingriff und Ausgleich des Flüssigkeitshaushalt bei Dehydratation.  
a. Versuch der digitalen (mit den Fingern) Ausräumung 
b. Beklopfen des Rückens während das Tier mit dem Kopf nach unten hängt  

  

Verschlucken von spitzen Gegenständen  

Peristaltik dreht den Gegenstand. Faserreiche Stoffe nachfressen lassen (Sauerkraut/ Tempotücher), damit spitzer Gegenstand umwickelt und abtransportiert werden kann.

Verschlucken von Steinen, Bällen etc. Die Gegenstände können den Magenausgang (Pylorus) oder Zwölffingerdarm verschließen. Es handelt sich um einen lebensbedrohlichen Notfall. Der Zustand des Hundes verschlechtert sich rapide, er erbricht häufig und fortwährend. Auswurf ist anfangs gelb und weiß, verfärbt sich zunehmend braun und beginnt stark zu riechen. Das Tier frisst nicht, kann keinen Stuhl absetzen, und leidet unter stärksten Schmerzen. Notfall: Tierarzt - Röntgen! - OP  
Verschlucken von Taschentüchern, Plastiktüten etc. Diese Gegenstände können einen teilweisen Verschluß des Magenpförtners (Pylorus) verursachen. Symptome ähnlich wie beim Verschlucken von Bällen und Steinen, jedoch nicht ganz so ernst. Evtl. kann das Tier kleine Mengen Stuhl absetzen. Fremdkörper dieser Art benötigen mehrere Tage, um den Dünndarm zu passieren. Sollten sie während der Darmpassage steckenbleiben und nicht weitertransportiert werden können, kommt es sofort zu einer rapiden Verschlechterung im Zustand des Tieres, der eine Notoperation erforderlich macht. Tierarzt!  
II.4.         Verschlucken von chemischen Mitteln  
Säuren und Laugen etc. Auf keinen Fall zum Erbrechen bringen!  Wasser saufen lassen oder mit Spritze verabreichen - niemals bei Schaumbildnern! - Kohletabletten geben - Nux vomica C30  
Insektizide, DDT-haltige Sprays, Farben, Lacke etc. Okoubaka D2 (Holz/Rinde von Okoubaka) - Tierarzt!  
Schaumbildner: Spülmittel, Haarwaschmittel etc. Nicht saufen lassen! Nicht erbrechen oder würgen lassen!  
Entschäumer wie Sab simplex verabreichen, zusätzlich Watte oder Tempos fressen lassen! Tierarzt!  
Bei Schaumbildnern besteht Lebensgefahr durch Aspirationspneumonie, die zum Erstickungstod führen kann. Schaumbildner lösen den Anti-Atelektasefaktor in der Lunge auf, dadurch kann es zum Kollaps der Alveolen (Lungenbläschen) kommen.  
 

III.    Erkrankungen von Dünndarm, Dickdarm und Enddarm  

1.a.   Akute Enterokolitis  

Enteritis: Entzündung des Dünndarms Ursachen für eine Entzündung des Dünndarms können Infektionen mit verschiedenen Viren (Parvovirus, Staupe, Leptospirose), Wurmbefall, Nahrungsmittelvergiftung oder unverdauliches Futter sein. Enteritiden sind häufig beim Hund, da diese gerne allerlei Eßbares aufnehmen. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein: von einmaligem Absetzen weichen Stuhls bis zum unablässigem Absetzen von wässrigem, oft blutdurchsetztem Durchfall. Ein Hund, der nicht trinkt und starken Durchfall hat, kann sehr schnell dehydrieren.  
Colitis: Entzündung des Dickdarms oder Colons Eine Entzündung des Dickdarms oder Colons geht meist mit einem weniger starken Durchfall einher als bei der Enteritis.  
Symptome: Beide Erkrankungen faßt man unter dem Begriff Enterokolitis zusammen. Anfangs übergibt sich der Hund, charakteristisch ist jedoch der Durchfall, der bald blutdurchsetzt sein kann. Bei einer bakteriellen Infektion steigt die Körpertemperatur an. Bei einer Lebensmittelvergiftung besteht eher Untertemperatur. Im Bauchbereich sind deutlich Kollern, Spritzen und Pressgeräusche zu hören. Hält der Durchfall länger an, besteht Gefahr der Austrocknung.    

Therapie: Homöopathie:  

Arsenicum album D6 - C30 Leitsymptome: wäßriger, aashaft stinkender Durchfall, nächtliche bzw. mitternächtliche Verschlimmerung. Unrast. Symptome einer beginnenden Dehydrierung  

Ipecacuanha C30   Vor dem Anfall meist heftiges Erbrechen. Kot schleimig grünlich.evtl. blutdurchsetzt.  

Podophyllum Tinktur D6 - C30 (Maiapfel, Nordamerika) Wirkt hauptsächlich auf Dünndarm, Leber und Rektum. Das Mittel eignet sich besonders bei länger anhaltendem Durchfall mit Rektumprolaps (Vorwölbung des Mastdarms). Der Hund hat kolikartige Schmerzen mit galligem Erbrechen. Stuhl wässrig mit geleeartigem Schleim, schwallartig (Hydrantenstuhl) und stinkend.  
Mercurius corrosivus C30 Ruhrartiger Durchfall, heftiges Pressen, Stuhl enthält viel Schleim und sieht glitschig aus. Verschlimmerung von Sonnenuntergang bis -aufgang.  
Verartrum album C30 (weiße Nießwurz) Koliksymptome mit sehr flüssigen, ergiebigen Durchfällen. Trockenes Maul, bläuliche Schleimhäute, Hund ist in sehr schlechter Verfassung und bricht öfter zusammen.  
Camphora D6 (Kampfer) Leitsymptom: Kraftlosigkeit des Tieres, stärker als bei Verartrum album. Kalter Hundekörper, Stuhl von schwärzlicher Farbe, wird unkontrolliert abgesetzt.  
Cuprum metallicum C30 (Kupfer) Durchfall grünlich und blutdurchsetzt, Muskelkrämpfe. Starke Nervosität des Tieres mit häufigem Zucken
Mittel für den äußersten Notfall:  

Carbo vegetabilis C200 (Holzkohle von Rotbuchen oder Birkenholz) Durchfall stinkt nach Aas, starke Blähungen. Das Tier ist stark dehydriert und todkrank. Dieses Mittel hat sich in schwersten Fällen bewährt, teilweise mit spektakulärem Erfolg selbst bei Tieren, die aufgrund starken Flüssigkeitsverlustes bereits verloren geglaubt waren

Pyrogenium C1000 (Pyrexin, Sepsin) Kot riecht faulig, Anzeichen einer Blutvergiftung, hohes Fieber, kleiner Puls.  

Adjuvans (unterstützendes Mittel)  

China D6 - C30 (Chinarindenbaum) Schwäche durch erschöpfende Absonderungen und Verlust von Körperflüssigkeiten. Kräftigt das Tier nach dem starken Flüssigkeitsverlust.  

III.1.b.  chronische Enterokolitis

Symptom der chronischen Enterokolitis ist der chronische Durchfall. Ursachen können sein Futterunverträglichkeit bestimmter Inhaltsstoffe, Fremdkörper im Magen-/Darmbereich, Parasitenbefall, Erkrankungen der Leber/Bauchspeicheldrüse, Tumore, usw
Therapie: Alle unter akuter Enterokolitis genannten Mittel  

III.2.  Seuchenhafter Brechdurchfall  

Für alle Arten des Brechdurchfalls, auch für die hochakuten Parvovirus-Infektionen eignet sich folgende Mitteltrias, die man stets griffbereit haben sollte.  
Ipecacuanha D6 (Brechwurzel) -                        hochakuter blutiger Brechdurchfall  
Verartrum album D3 (weiße Nießwurz) -                         Kreislaufstütze  
Echinacea D1 (Rudbeckia angustifolia) - Stärkung des Immunsystems, Abnahme der Leukozytenzahl  

Die drei Mittel (Dilutionen) zu gleichen Teilen in einer braunen Arzneiflasche mit Pipettenverschluß mischen. Im Bedarfsfall viertel-/halbstündlich 10 - 20 Tropfen direkt auf die Zunge/Schleimhaut der Mundhöhle aufträufeln. Mit zunehmender Besserung in größeren Abständen geben und langsam ausschleichen. Nach überstandener Krankheit erhält das Tier eine Gabe China C30, das Stärkungsmittel nach großen Säfteverlusten. Hilft das Mittel nicht oder trocknet das Tier aus, unbedingt zum Tierarzt 

III.3.  Durchfall (Diarrhoe) und Verstopfung (Obstipation)  

Ursachen Durchfall: Infektionen mit Bakterien, Viren, Protozoen, Pilzen  -  Lebensmittelvergiftungen durch toxinbildende Bakterien
Intoxikationen mit Medikamenten  · Nahrungsmittelallergien -  Hormonelle Ursachen -  Reizdarmsyndrom  
                        

Ursachen Verstopfung:  

funktionell durch faserarme Kost, mangelnde Flüssigkeitsaufnahme und Bewegung  
zu viele Knochen · Medikamente - Reizdarmsyndrom - Obstruktion: Tumore/Polypen/Divertikel - Elektrolytstörungen wie Hypo- oder Hyperkaliämie
                        
Differenzierung nach Menge und Beschaffenheit des Stuhles:  
a.       große Mengen Stuhl - Ursache liegt eher im Dünn- als im Dickdarm       
b.      spärlicher und häufig abgesetzter Kot mit Schleim > Colitis  
c.       schaumiger, von Fettbröckchendurchzogener Kot > Diabetes oder Pankreatitis  
d.       Teerstuhl (schwarzer Stuhl) enthält Blut > Darmblutung  
e.       Lehmfarbener Stuhl > Leberfunktionsstörungen  
f.        Orangefarbene Pigmente im Kot > Anzeichen von Leptospirose  

Symptome Obstipation: Nach wiederholtem Pressen setzt der Hund einen trockenen, bröckeligen Kost, der evtl. Blut enthält ab. Erbrechen kann ebenfalls vorhanden sein.  

Therapie Durchfall: siehe Enterokolitis  
Therapie  Obstipation: Homöopathie

Nux vomica D6 (1-2 stündlich 1 Gabe) Unter heftigem Pressen werden kleine Kotmengen ausgeschieden. Das Mittel nach zu vielen Medikamenten, bei leichterer Verstopfung.  

Nux vomica C200 (1 Gabe pro Woche) Zum Erreichen einer gut funktionierenden Darmtätigkeit im Anschluß an die Akutphase  

Sulfur D6 Rötung um den Anus mit Jucken. Schmerzloser Morgendurchfall. Der Hund riecht moderig. Kann sehr gut mit Nux vomica Kombiniert werden.  

Bryonia D6 Große Menge harten, trockenen wie verbrannten Kots wird meist morgens abgesetzt. Berührungsempfindliche Bauchregion, aber Druck bessert. Mattigkeit beim Aufstehen.  

Antimonium crudum D6 (Schwefel-Spießglanz) Durchfall wechselt mit Verstopfung. Schleimabgang mit Blähungen. Harte Klumpen Stuhl gemischt mit wässriger Absonderung oder Stuhl besteht nur aus Schleim.  

Opium D6 (Schlafmohn) D6 - C200 In schweren und hartnäckigen Fällen. Hartnäckige Verstopfung, keinerlei Stuhldrang. Hund wirkt hinfällig oder komatös. Kot besteht aus runden, harten, schwarzen Kugeln.  

Lycopodium clavatum C200 (Kolbenbärlappsporen) Mittel wird meist bei vorliegender Leberfunktionsstörung oder Hepatitis eingesetzt. Geringe Kotmenge. Hund frißt sehr wenig, hat wechselhaften Appetit, ist meist mager.  

Alumen D6 (Alaun, Aluminiumkaliumsulfat) Für das verhärtete Darmgewebe des älteren Tieres mit starker Verstopfung. Es bestehen außerdem Haarausfall, Ekzeme, Muskelschwäche.  

Ernährungstherapie  
Umstellung auf Vollwertkost mit hohem Ballaststoffanteil und Frischkost. Umstellung langsam vollziehen, um Blähungen/Druck-/Völlegefühl zu vermeiden. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu gewährleisten.  
1.      Quellmittel: Füllmittel/Ballaststoffe (Weizenkleie, Leinsamen, Agar Agar) sind nicht resorbierbare Substanzen, die im Magen durch Flüssigkeit aufquellen, die Darmwand dehnen und zur reflektorischen Anregung der Darmbewegung (Peristaltik) führen. Quellmittel müssen mit viel Flüssigkeit eingenommen werden, um nicht den Darm zu verkleben oder zum Darmverschluß zu führen.  
2.      Gleitmittel: wirken durch den "Gleiteffekt". Rizinusöl (einige TL oder EL 1-2 stündlich einnehmen), Paraffinöl (Sanato-Lax) oral nach Vorschrift einnehmen. Glyzerinpräparate als Zäpfchen oder Klistier (Glycilax).  
Tonisierungskur bei chronisch vorhandener Darmschwäche:  
Bei chronischer Verstopfung liegt eine Darmschwäche vor. Folgende Mitteltrias kann hier vielleicht Abhilfe schaffen:  

Nux vomica D6, Carbo vegetabilis D6, Okoubaka D2 3 Wochen lang 3 x täglich 1 Tablette von jedem Mittel (pulverisieren und mischen)  

 

IV.  Allgemeine Dosierungsangaben Homöopathie  

Sofern nicht anders angegeben:  

D6-D12           im akuten Fall 3x täglich (2-10 Globuli oder 1-2 Tabletten)  
C30                        1 x geben, Reaktion abwarten (Glob/Tab. wie vor)  

  Alternativ:  

LM/Q-Potenzen   Tropfen können bei Bedarf mehrmals täglich eingenommen werden. 3 Tropfen in 1/2 Glas Wasser geben, mit Löffel 10x gut umrühren. Von dieser Lösung 3 - 6 x einnehmen. Rest verwerfen und täglich neu anrühren.  
C200      Einzelgabe verabreichen und Reaktion abwarten, nach längerer Zeit evtl. wiederholen bzw. anderes Mittel wählen. Oder 2-3 Globuli als wässrige Auflösung (wie bei LM Verfahren) mehrmals verabreichen                                         

Literaturangaben:

Allen, H.C.: Leitsymptome, Göttingen: Burgdorf, 1999.  
Boericke, W: Handbuch der homöopathischen Materia medica, Heidelberg: Haug, 1996
Bierbach, E: Naturheilpraxis heute, Lehrbuch und Atlas, München: Urban & Fischer, 2000.
Schäffler, A. + Menche, N: Mensch, Körper, Krankheit, München: Urban & Fischer, 1999.  
Präparateliste der Naturheilkunde, München: Urban + Fischer, 1997.  
Meckel-Spenglersan Reporte: Spenglersan Kolloide in der Tierheilkunde, Bühl: Meckel, 2001.
Bower, J. + Youngs, D: The Health of Your Dog, Loveland, CO: Alpine Publications Inc., 1989
MacLeod, G: DOGS: Homeopathic Remedies, Saffron Walden, U.K.: Daniel Co., 89.  
Wolff, H.G: Unsere Hunde gesund durch Homöopathie, Regensburg: Sonntag, 1989.  

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