Naturheilkunde in der Tiermedizin

Natürliche Ektoparasitenprophylaxe

ÓGabriele Engel

 

Unsere Haustiere sind für unzählige Parasiten attraktiv, die von außen die Haut und das Fell besiedeln wie Flöhe, Haarlinge, Milben, Zecken usw. Um dem Hund ein Leben in friedlicher Koexistenz mit dieser Vielfalt zu ermöglichen, kann der Mensch verschiedene Maßnahmen ergreifen. Frühjahr und Herbst sind Hochsaison für Ektoparasiten, daher sollte man ca. 1 - 2 Monate vor Saisonbeginn mit prophylaktischen Maßnahmen beginnen.

 

Die naturheilkundliche Parasitenprophylaxe umfaßt drei Bereiche:

 

                        1. Säureschutzmantel der Haut

                        2. Umgebungsprophylaxe

                        3. Prophylaxe am Tier

 

Gesunde Haut und glänzendes Fell sind Ausdruck eines intakten Organismus, artgerechter Haltung, Fütterung mit hochwertiger Nahrung in der richtigen Zusammensetzung und guter Verdauung. Erst ein immungestörtes, krankes  oder nicht optimal gepflegtes Tier wird für Parasiten interessant. Solange der natürliche Säureschutzmantel der Haut intakt ist, besteht ein Gleichgewicht zwischen Wirt (dem Hund) und Parasiten, von denen wir und unsere Haustiere immer umgeben sind. Der Trick besteht nun darin, unseren Hund für Parasiten möglichst unattraktiv zu machen.

 

Beispiel Floh: Weibliche Flöhe können bis zu 20.000 Eier in 3 Monaten legen. Nach 1-2 Wochen schlüpfen die Larven und verspinnen sich in einen Kokon, in welchem sie von 1 Woche bis zu 1 Jahr ohne Nahrung überleben können. Im Kokon sind sie gegen Insektizide und niedrigste Temperaturen geschützt. Der normale Zyklus vom Ei über die Larve bis zum Floh beträgt zwischen 3-6 Wochen, aber sie können in Hungerzeiten wesentlich längere Zeiträume überdauern. Diese Fähigkeit des Flohs, in der Schutzhülle des Kokons lange Zeiten zu überbrücken, macht seine Abwehr so schwierig.

 

Naturheilkundliche Prophylaxe:

A.  Stabilisierung des Organismus durch Nahrungszusätze:

 

1.      Bierhefeflocken/-granulat  in Reformhausqualität, enthält B-Vitamine, v.a. Vit B1 =Thiamin wehrt Flöhe, Moskitos und Zecken ab.

Kleine Hunde (-20 Pfund) 1 TL/Tag (1/2 morgens, 1/2 abends), große Tiere 2 TL. Bei Durchfall und/oder Kratzen auf hefefreie B-Vitamine umstellen.

 

2.      Knoblauch tolerieren Flöhe ungern. Zur Hauptmahlzeit 1/2-2 Zehen frischen gepreßten Knoblauch (Knoblauchpresse) je nach Größe des Tieres zufügen. Geruchlose Knob-lauchkapseln  wirken nicht, allenfalls Knoblauchmazerat. Das im frischen Knoblauch enthaltene Allicin (mit antibiotischen Eigenschaften), das über die Haut ausgeschieden wird, ist gegen Parasiten wirksam. Es hat außerdem eine stabilisierende Wirkung auf den Darm, und eine intakte Darmflora ist die Grundvoraussetzung für Gesundheit.

Mein Tip:

Bärlauch Kapseln, Dr. Pandalis, PZN 6172417, 90 Stk DM 29,-.  Bärlauch ist mehrfach stärker als Knoblauch und wirkt vorzüglich. 1 Kapsel pro kleinem Hund/Tag, größere Hunde 2 Kapseln. Kapseln aufstechen/-beißen und über dem Futter ausdrücken. Hund riecht nur leicht aus dem Fang.

 

Dr. med. Earl Mindell, der amerikanische "Vitamin-Papst" und Autor umfangreicher medizinischer Fachliteratur empfiehlt in seinem Buch Earl Mindell's Nutrition & Health for Dogs Knoblauch als Allheilmittel für Hunde. Es wäre u.a. gut fürs Immunsystem, hilft bei Atemproblemen, stärkt das Herz, wirkt antibakteriell und antiviral und reinigt den Verdauungstrakt von Endoparasiten.

 

3.      Schwarzwalnußschalen in Kapselform (Bioladen) wirken gegen Flöhe, Zecken und Moskitos. 1 Kapsel am Tag für Hunde bis 50 Pfund. Die doppelte Menge, wenn man in Gebiete reist, in denen die Lyme-Krankheit endemisch ist.

 

Mein Tip: Aus den Benelux-Ländern oder England mitbringen (lassen) ist preiswerter.

 

B.  Umgebungsprophylaxe

1.     Langzeitprophylaxe mit (a)  Sodiumpolyborate

 

Sodiumpolyborate Pulver (Natriumsulfat + Orthoborsäure) ist ein ungiftiges Naturprodukt. So z.B. das Präparat Axis von Sanofi-Ceva, Düsseldorf[1]. Dieses weißliche Pulver wird gut in die Teppiche (Mundschutz, Schrubber), Polstermöbelecken und -ritzen, Zimmerecken und Liegeplätze eingearbeitet und hält das Haus 1 Jahr lang floh- und milbenfrei. Das kommt auch menschlichen Allergikern zugute. Die Anwendung ist etwas mühsam und aufwendiger als ein herkömmliches Spray, dafür jedoch ein ungiftiger Langzeitschutz. Dieser mineralische Stoff besteht aus mikrofeinen Kristallen, die den Chitinpanzer der Parasiten anritzen, austrocknen und ihnen damit die Lebensgrundlage nimmt. Während der Anwendung sollten Haustiere den Raum verlassen, damit der Stoff nicht eingeatmet wird. Noch sichtbare weiße Schleier werden weggesaugt, das Pulver fällt auf das Kettgerüst des Teppichs, wo nicht mehr weggesaugt werden kann.

 

Etwas Sodiumpolyborate Pulver gehört auch in die neue Staubsaugertüte.

 

(b) Neemsamen

Neemsamen in ein Leinensäckchen einfüllen und in das Hundekörbchen unter die Decke legen. Das ist ein guter Schutz vor allerlei Plagegeistern (Bioladen oder Umwelt-Drogerie[2]). Muß etwa alle 3 Monate erneuert werden.

 

2.       Kurzzeitprophylaxe mit (c) Pumpsprays auf Basis von Pflanzenölen/-estern

 

Es eignen sich Pumpsprays auf der Basis von natürlichen Pflanzenölen wie Kokosöl und -ester, Rapsöl, Jojobaöl und ätherischen Ölen. So das Präparat Petvital  von canina pharma GmbH, Hamm. Hund aus dem Raum entfernen und Körbchen, Liegeplätze etc. damit einsprühen, ca. alle 4 Wochen wiederholen.

 

C.  Prophylaxe am Tier

1.     Bad mit ätherischen Ölen

 

Sollte der Hund stark verfloht sein, gehört er erst einmal in ein Bad mit einem Shampoo, das natürliche ätherische Öle von Kiefer, Zeder, Citronella, Wacholder, Bergamot, Geranien, Lavendel oder Eucalyptus enthält. Das Shampoo sollte ca. 15 Minuten in das Fell eingearbeitet werden.. Wenn Baden mit einer angenehmen Massage verbunden ist, wird Ihr Hund es in wohliger Erinnerung behalten, und die Prozedur gerne über sich ergehen lassen.

 

2.     Neembad

Liegt ein Milbenbefall vor, sollten Sie die Neemkur ins Auge fassen[3]. Während der Kur wird der Hund in bestimmten Zeitabständen mehrmals unter Zusatz von Neemöl gebadet. Neemöl als Zusatz zum normalen Hundeshampoo eignet sich aber auch vorzüglich zur regelmäßigen Pflege, denn es hat einen intensiven Geruch, der auf die meisten Parasiten ca. 1-2 Wochen abschreckend wirkt. Je nach Größe 1/2-1 TL dem normalen Shampoo zugeben, sollte der Geruch stören, können 1-2 Tropfen Teebaumöl o. ä. hinzugefügt werden.

 

3.     Neemdusche/-spray

Für die Hauptparasitensaison eignet sich auch die Neemdusche. Diese wird wie folgt  aus Neemsamen oder -öl hergestellt:

 

a.     Neemsamen

-         12 g (2 gehäufte EL) gemahlenen Niemsamen[4]

-         1/4 l lauwarmes Wasser

-         Samen mit lauwarmem Wasser übergießen und gut durchrühren

-         3 Stunden stehen lassen, immer wieder umrühren

-         durch ein Haarsieb filtrieren bis kein Samen mehr in der Flüssigkeit ist

-         in eine Blumensprühflasche/Wasserzerstäuber füllen

-         Hund damit besprühen - am besten draußen

-         Mischung muß im Kühlschrank aufbewahrt werden, Haltbarkeit ca. 1 Woche

 

Diese Dusche ist eine gute Prophylaxe für die Hochsaison und für Reisen in alle Gebiete, in denen Flöhe, Mücken und Zecken gefährliche Infektionskrankheiten übertragen (Mittelmeerraum, Osteuropa).

 

b.     Neemöl

-         8 ml (1 EL) Niembaumöl

-         2 ml (1/2 TL) Niembaumölemulgator[5]

-         1 l lauwarmes Wasser

-         Neemöl/-emulgator mischen, lauwarmes Wasser zufügen, gut durchrühren

-         Hund mit Blumendusche oder Gießkanne abbrausen

 

Beide Neemduschen wehren Parasiten mindestens eine Woche ab. Zusätzlich können Sie

 

c.     ätherische Öle

auf dem Fell des Hundes verteilen, um die Wirkung zu verbessern und/oder zu verlängern. Hierzu eignen sich vorzüglich fertige Mischungen, die im Handel erhältlich sind wie z.B.

                       

                        - Verminex von canina pharma, Hamm[6]

                        - Eukacid von Vermeulen GmbH, Emmerich[7]

                        - Abwehrkonzentrat von cdVet, Fürstenau[8]

                        - Zedan SP von MM-Cosmetic GmbH, Neuwied[9]

 

oder selbstgefertigte Mischungen. Die Produkte enthalten natürliche Pflanzen- und ätherische Öle (oft auf biologischer Basis) wie Teebaum-, Lavendel-, Jojoba-, Citronella-, Vanille-, Lavendel-, Geranium-, oder Eukalyptusöl usw. Die Produkte sollten keine hautreizenden Lösungsvermittler enthalten wie Propylene Glycol, Konservierungsmittel oder Emulgatoren mit PEG-Einheiten, zu deren Herstellung Ehtylenoxid  verwendet wird, einem potentiell krebserregender Stoff.

 

Allen ätherischen Ölen ist gemeinsam, daß die Hersteller meist zu kurze Wirkungszeiten angeben. Am besten 1x wöchentlich je 1 Tropfen alle 5 cm vom Kopf (Nähe Nase/Augen vermeiden) bis zur Schwanzspitze, unter die Hänge/-ohren, rechte und linke Halsseite, unter die Achseln, den Bauch, die Hinterläufe und die Rute. Manche Tiere reagieren mit Hautrötung und/oder lokaler Schuppenbildung, diese Erscheinungen gehen jedoch meist schnell vorüber und haben keine langfristige Wirkung. Bei allergischer Reaktion absetzen

 

Herkömmliche Parasitenprophylaxe

I. Flohhalsbänder, Sprays und Kontaktinsektizide

 

Die chemischen Substanzen werden äußerlich angewandt und gelangen in die  Talgdrüsen. Teile durchdringen die Haut und erreichen die Leber des Tieres, wo sie verstoffwechselt werden. Aufgabe der Talgdrüsen ist es, das Hundefell durch die Sekretion von Öl glänzend und gesund aussehen zu lassen Durch den Kontakt mit den Chemikalien wird das Nervensystem der Parasiten zerstört und sie gehen zugrunde.

 

Ein häufig in Flohhalsbändern oder Sprays enthaltener Stoff ist Chlorphyrifos. Lt. Dr. Mindell verursacht er im menschlichen Embryo Schäden an Gehirn, Augen, Ohren, Herz, Genitalien usw. Seine Wirkung sei begrenzt, denn Flöhe würden nur getötet, wenn sie in direkten Kontakt mit dem Flohhalsband kommen. Dr. Mindell: "Es gibt genügend Beweise dafür, daß die auf unseren Haustieren angewandten Pestizide bei unseren Haustieren, unseren Kindern und uns selber eine Vielzahl von Krebsarten <....> verursachen."

 

 

2.    Tabletten

 

Parasitenprophylaxe in Tablettenform greift in den Entwicklungszyklus der Parasiten ein, aus den Floheiern können sich über verschiedene Zwischenstadien keine adulten Flöhe entwickeln,  weil  die Entwicklung des Chitinpanzers gehemmt wird. Flöhe und  andere Parasiten  zählen zu den Gliederfüßern, die kein Rückgrat haben, aber ein Außenskelett in Form eines Chitinpanzers, der das Insekt zusammenhält.

 

Was alle Flohhalsbänder, Sprays, Puder usw. gemeinsam haben, ist, daß es sich um Insektizide handelt, die zum Teil sehr starke Nervengase enthalten. Dr. Mindell: "Diese Pestizide sind für Flöhe giftig  und auch für Sie und Ihren Hund.

 

3. Wirkung häufiger Inhaltsstoffe

Pyrethroide: kanzerogen. Verursacht akute Vergiftungen mit Kribbeln und Juckreiz, chronische Vergiftungen mit psychischen Veränderungen, Polyneuropathie (Erkrankung peripherer Nerven), Herzrhythmusstörungen. Durch Spray Aufnahme der gefährlichen Substanzen über die Lunge.

Organophosphate: Resorption durch die intakte Haut. Verursachen akute Vergiftungen mit Übelkeit und Krämpfen, u.U. Koma, Atemlähmung. Chronische Vergiftungen mit Konzentrationsstörungen, Muskelschwäche und psychischer Labilität.

Lindan: Aufnahme durch die intakte Haut. Im Tierversuch kanzerogen und  fruchtschädigend,  verursacht akute  und chronische Vergiftungen bis zu Leberschäden.

 

Fazit

Natürliche Prophylaxemittel/-methoden sind aufwendiger und  zeitraubender in der An-wendung als chemische Mittel, versprechen aber langfristig Erfolg ohne Nebenwirkungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Literaturangaben:

Mindell, Earl R.Ph.Ph.D.: Nutrition & Health for Dogs, Prima Publishing, Rocklin, CA, 1998.

Kluge, Heidelore: Niembaum, die Kraft der indischen Wunderpflanze, Ludwig/Südwest Verlag, München, 1996.

Buslau, S-J./Hembd, C.: Das Niembaum Praxisbuch, Heyne, Müchen, 1997.

Knust, Dr. med. F.J.: in Redaktion Umwelt und Gesundheit, Auszüge zu den Ausgaben 3+4/95, Heidelberg: Haug, 95.

Alexander, Gerrit: Inhaltsstoffe Ratgeber, Kern, CH-Olten, 1998.

Mehlhorn, Birgit + Heinz: Gefahren für Hund und Halter, Springer, Berlin, 1992.

 



[1] Erhältlich beim Tierarzt

[2] Spinnrad Umwelt-Drogerie

[3] siehe hierzu "Hautkrankheiten des Hundes am Beispiel der Mile Bheyletiella", KTR Reporter 1/2000

[4] Bezugsquelle: Spinnrad Umweltdrogerie

[5]

[6] Fachhandel

[7] Fachhandel

[8] Fachhandel oder unter Tel: 05901-305880

[9] Reitsportgeschäfte/Apotheken/Drogerien/Bioläden oder unter Tel. 02622-3558